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Nicole Ziegler
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Erfahrungsberichte
 

Thread Starterbeaind



PostRank 1



Mitglied seit 27.12.2009
Beiträge: 1

Verfasst am 27.12.2009, 14:00:01 Uhr


Hallo,
gerne würde ich von erwachsenen Asperger-Betroffenen hören. Ich arbeite seit 30 Jahren als Psychoanalytikerin, und als solche auch mit einem erwachsenen Mann. Diese Arbeit hat ihm vieles ermöglicht, das undenkbar schien. Trotzdem bleibt vieles sehr, sehr schwierig.

Ich würde mich sehr freuen über Eure Beiträge über Euren Lebensweg, Erfahrunge mit Schwierigkeiten im Alltag, mit den Menschen, denen Ihr begegnet, mit den Aufgaben, die Ihr erledigen müsst. Es interessiert mich auch, wie Ihr mit diesen Schwierigkeiten umgeht, wie Ihr sie meistert.

Vielen Dank
beaind

registrierter User

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1. Antwort auf: Erfahrungsberichte
 

drtinni



PostRank 1



Mitglied seit 15.05.2010
Beiträge: 2

Verfasst am 16.05.2010, 19:10:45 Uhr


Hallo Beaind,

auch ich hätte gerne hier von Erfahrungen Kenntnis genommen, wenn es denn welche gäbe.

Bin 52, habe eine 43 Jahre alten Bruder, der noch bei meinen Eltern wohnt.

Er vegetiert dort in seinem Zimmer seit etwa 10 Jahren dahin, und da meine Eltern, 84 und 82, das bald nicht mehr händeln werden können, so muss ich mich
schon mal mit Asperger und Auswegen aus dieser Situation beschäftigen.

Meine Eltern, vor allem meine Mutter dachte, sie könnte meinem Bruder aus dieser
Situation helfen.

Hilfe nimmt sie nicht an, weil sie so sehr an ihrem vierten und letzten Kind hängt.
Auch scheint sie sich für dessen Zustand verantwortlich zu fühlen,
da es eine ungewollte Schwangerschaft war, und mein Vater sich nie so richtig zu
seinem letzten Kind bekannte.

Auch waren meine Eltern mit mehr als zwei Kindern vollständig überfordert,
was ich als Vater von ebenfalls vier Kindern, nur zu gut verstehe.
Aber ich stehe zu meinen Kindern, und sie wissen, dass ich sie liebe.

Nun hat mein Bruder Abi, Chemie mit zweitbestem Abschluß studiert, war ein herausragender Klavier- und Schachspieler, und wurde laut seiner Aussage,
von seinem Doktorvater und Professor, nur ausgenutzt und zuletzt hängengelassen.

Der Prof hatte eine kleine Firma in Saarbrücken, und mein Bruder hatte für die
Firma damals, eine neue Art von Interferon erfunden, worüber es in der Folgezeit
zu patentrechtlichen Streitereien mit Grosskonzernen kam .....

Nach drei Jahren Versuch, seinen Doktor zu bekommen, ließ ihn der Prof fallen,
worauf mein Bruder resignierte und begann, in diesen Zustand zu versinken, in dem er noch heute ist.

Wir wissen schon lange, dass es die Aspergersymptomatik ist, aber ich hatte für mich
immer erhofft, dass mein Vater den Weg zu seinem Kind findet.

Aber die Problematik meines Vaters ist tiefgreifend, und ich denke nicht, dass er
aus seinem Gefühlstief jemals wieder herausfindet.

Überalterte Eltern- aufgrund des ersten Weltkrieges, mit 6 ins Internat, da Eltern Schiffersleute, mit 18 Jahren Oklahoma Beach in der Normandie gegen die Alliierten verteidigt.....in Kriegsgefangenschaft mit Boxen angefangen ....

Meine Mutter hat sehr viele Anläufe unternommen, um die Distonie meines Vaters
wieder in Gleichklang zu bringen, aber dafür reicht die Lebenszeit wohl nicht aus.

Vielleicht Beaind, könnten Sie einige wesentliche Hilfestellungen geben, wie ich
meinen Bruder anfassen könnte, wenn ich ihn vielleicht in ein Sozial- u. Berufsleben zu
integrieren versuchen werde --- ?

Im Fernsehen sah ich vor zwei-drei Jahren eine Sendung aus Dänemark, in der
Betroffene, mit viel Feingefühl in Betrieben, meist Büro, mithilfe von anfangs einfachen Aufgabestellungen integriert wurden. Ist Ihnen in Deutschland eine solche
Organisation bekannt?

Über Ihre Antwort/en oder auch Fragen, würde ich mich sehr freuen, da Sie ja
von Fach sind, und mit einem Erwachsenen schon Erfahrung gesammelt haben.

Beste Grüße

drtinni

registrierter User

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2. Antwort auf: Erfahrungsberichte
 

Nicky



PostRank 6



Mitglied seit 30.01.2007
Beiträge: 241

Verfasst am 18.05.2010, 20:03:49 Uhr


Hallo

So große Erfahrungsberichte kann ich nicht geben, obwohl ich selbst die Diagnose habe.
Seit meiner Kindheit habe ich Probleme, jemanden in die Augen zu schauen, vor der Klasse einen Vortrag halten, war die Hölle, auch wenn mir jemand gegenüber saß, hab ich immer weggeschaut. Viele hielten mich für arrogant. Bis heute hat sich an diesem Zustand nichts geändert, ich kann wirklich niemanden in die Augen schauen. Große Menschenmengen vermeide ich gern, fühl mich da überhaupt nicht wohl, selbst volle Kaufhäuser sind tabu. Eigentlich war ich immer ein Einzelgänger, als kleines Kind verbrachte ich die meiste Zeit in meinem Zimmer, laß Bücher, oder beschäftigte mich mit Mathematik. Mit anderen Kindern spielen, wäre mir nie in den Sinn gekommen, auch wollte es niemand, da ich mich nie integrieren konnte. Alle hänselten mich, weil ich sofort rot wurde und nie geredet hatte. Dann ständig die Kommentare der Lehrer, sie könnte doch alles so gut, nur im mündlichen Bereich versaut sie alles.

Ich hab mich damit abgefunden, leb mein Leben, wem es nicht passt, dass ich ihn nicht anschaue, der hat Pech. Ich bin nun mal so. Da ich aus gesundheitlichen Gründen nicht arbeiten gehe, kann ich gut damit umgehen, am Telefon merkt niemand etwas davon und vorm Computer auch nicht.

VG Nicky






Nicky
Glaube nur an Wunder die du selbst vollbringst... (Erhard H. Bellermann)


Seiten Administrator

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3. Antwort auf: Erfahrungsberichte
 

drtinni



PostRank 1



Mitglied seit 15.05.2010
Beiträge: 2

Verfasst am 19.05.2010, 17:27:26 Uhr


Hallo Nicky,

so schlimm hört es sich bei Dir gar nicht an, wenn ich meinen Bruder daneben betrachte.

Welche Augenfarbe hast Du denn?

Wie viele Kinder, hatte auch ich einige Probleme, anderen in die Augen zu schauen, aber entweder aus Angst, weil ich immer was im Schilde führte, oder Unsicherheit.

Heute, mit 52, kein Problem mehr damit, es sei denn, ich such nach Worten, und muss mich stark konzentrieren, da lenkt mich ein gegenüber schon sehr ab. Aber der Augenkontakt ist für mich schon sehr wichtig, da ich wissen möchte, welche Einstellung mein Gegenüber zu mir und meinem Gesagten hat.

Aber in meiner Schulzeit, bin auch ich nur ganz wenigen Menschen begegnet, deren
Worten ich zustimmen konnte, oder die mich begeistern konnten.

Trotzdem habe ich den Glauben an das Miteinander der Menschen nicht verloren, auch
wenn es schlimme Krisen nach schweren Kopfverletzungen gab.

Bei meinem Bruder gab es mit 9 Jahren eine sehr schwere Erkrankung, nach der
er mir ziemlich verändert vorkam.

Aber am meisten zu schaffen, machte ihm die Tatsache, dass er von seinem Vater
eigentlich nicht gewollt war, und was ihm seine 5 Jahre jüngere Schwester, gerne
immer wieder vorgesagt hat.

Dieses Fehlen von Akzeptanz seitens des Vaters, konnte auch Mutterliebe nicht wett machen. Ich sage dazu immer, auf einem Bein kann man nicht stehen, geschweige denn laufen.

War das mit Deinen Eltern ähnlich Nicky?

Warum kannst Du aus gesundheitlichen Gründen nicht arbeiten gehen, doch nicht
wegen dem Asperger. Ich weiss, das sind viele Fragen, aber ich beschäftige mich viel mit Erkrankungen, die durch Ernährungsfehler und Bewegungsmangel entstehen.

Du kannst zum Beispiel, wenn Du viel Schmelzkäse ißt, epilepsieähnliche Anfälle
bekommen, die die meisten Ärzte auch als Epilepsie diagnostizieren.

Über unseren Darm laufen mehr Prozesse, als sich die meisten vorstellen können,
und gewisse, regelmäßige Fehltritte, können auf Dauer nicht nur den Körper
betreffen, sondern schlagen auch irgendwann auf die Psyche. Aus eigener Erfahrung weiss ich davon mehr als ein Lied zu singen.

Aus meinen Fehlern habe ich gelernt, und mit einer Spur Asperger in den Genen,
bin ich heute in der Lage, Menschen von Erkrankungen zu befreien, an denen sich die Schulmedizin seit langem die Zähne ausbeisst.

Soweit ich das in den Erklärungen zum Aspergersyndrom gelesen habe, spielt Ernährung eine nicht unwesentliche Rolle bei dem Krankheitsbild, was mich nach meiner Erfahrung
nicht wundert, den Depressionen, Angst und Panikattacken sind ebenfalls stark
Falschernährung indiziert.

Mal sehen, ob das noch jemand hier so sieht?

LG drtinni

registrierter User

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