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Nicole Ziegler
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H I L F E !!!! |
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runaway

PostRank 1

Mitglied seit 27.03.2009 Beiträge: 3
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Verfasst am 08.05.2009, 11:43:01 Uhr

Mein erster Beitrag in diesem Forum und dann gleich ein richtiger Hilferuf - na Mahlzeit!
Also, die Diagnose ADHS bei meinem Ältesten ist ja nun noch nicht alt; geahnt hab ich diese Tatsache schon ewig lange! Er hat zweimal die Testreihe durchlaufen: einmal mit vier Jahren und dann jetzt mit sieben noch mal. Nach dem ersten Testverfahren zeigte sich die Ärztin noch recht optimistisch und sagte, dass es eigentlich nur Gutes zu sagen gäbe: mein Sohn wäre kognitiv überdurchschnittlich gut dran, ja eher seinem Alter weit, weit voraus, und man müsste bei seinem ermittelten IQ schon von Hochintelligenz sprechen, emotional sei er ganz normal altersentsprechend entwickelt, nur motorisch hinke er weit hinterher. Fazit war: angeblich machte ihm diese erhebliche Diskrepanz zwischen dem, was er denkt und umsetzen will und dem, was ihm denn auch tatsächlich gelingt (oder eben nicht gelingt...) ganz extrem zu schaffen und das wäre die Erklärung für seine Unausgegorenheit. Dazu kam die Hoffnung, dass sich sein kleines Gehirn durch den normalen weiteren Reifungsprozess noch positiv weiterentwickeln würde. Allerdings auch die Möglichkeit, dass dieser Test eventuell im Schuleintrittsalter noch mal wiederholt werden müsste. - Ach ja, und auch noch ein gutgemeinter Rat an die Mama, also an mich: wenn ich 30 % von meinem angeblichen Perfektionismus runterschrauben könnte, würde mein Kind immer noch mehr als ausreichend versorgt...
Ich war froh, dass die Diagnose ADHS damals nicht gestellt werden musste, wenn gleich ich jedoch nicht so ganz an den Wahrheitsgehalt glauben konnte. Mein Mama-Bauchgefühl sagte mir schon in der Säuglings- und Kleinkindzeit meines Sohnes, dass da irgendwas ganz Gravierendes nicht stimmt. Er war immer extrem unruhig als Baby, schlief schlecht, weinte und schrie sehr viel, lehnte oftmals Körperkontakt ab, war immer schon fahrig und nervös und die Situation war immer sehr angespannt. - Aber unser ehemaliger Kinderarzt nahm meine Sorgen überhaupt nicht ernst: "Das ist ein Erziehungsproblem, gehen Sie doch zur Erziehungsberatung!" war der einzige Kommentar hierzu; auch die folgende Kinderärztin meinte nur: "Ich denke nicht, dass er ein ADHSler ist, da hab ich schon ganz andere Fälle erlebt: ich hab schon Kinder im Sprechzimmer oben aus meinem Bücherregal pflücken müssen, die hier die Wände hochgegangen sind - solche Kinder sind richtig krank; da ist Ihr Sohn ja ganz anders."
Nur kein "Fremder" erlebte meinen Schatzi so, wie er wirklich war, wie er zu Hause war... Die gewöhnliche Außenwelt erlebte ihn meistens als "nur" sehr temperamentvoll, logisch, dass keiner auf die Idee kam, mit dem Kind stimmt was nicht!
Erst der Kindergarten, resp. eine (die beste!!!!!) Erzieherin der Einrichtung schaute dann schon genauer hin. So kam es dann zu den ersten Elterngesprächen und mir wurden Möglichkeiten und Hilfsangebote für mein Kind aufgezeigt, von denen ich vorher gar keine Ahnung hatte, da kein Arzt uns jemals solche Informationen gegeben hat!
Durch einige dieser Hilfsangebote (Frühförderung, soz.-päd. Familienhilfe) gelang es uns, den Jungen für eine ganze Weile in ein ruhigeres Fahrwasser zu kriegen. - Klar, bedingt durch die Gesamt-Familiensituation (eben die vielen Probleme mit meinem Großen, das Baby, das ständig schwer krank war, und ich als überwiegende Zeit alleinerziehende Mama (Papas Job war und ist kein Job im eigentlichen Sinne sondern eher eine Dauerabwesenheit!) mit im Endeffekt chronischen Erschöpfungszuständen) war die Großwetterlage nie wirklich entspannt, aber es gab Zeiten, in denen es mit meinem Sohn ruhiger und relaxter war und dann kamen auch wieder ganz furchtbare Zeiten. - Und das ist auch so geblieben: ein ewiges Auf und Ab, die reinste Achterbahnfahrt!
Jetzt geht er seit August letzten Jahres zur Schule und ich hab nur noch das Gefühl, dass es dadurch für ihn (und somit auch für die ganze Familie) schlimmer geworden ist!
Das Lernen an sich macht ihm überhaupt keine Probleme; vom Lernstoff her ist er oft eher unterfordert. Das Einzige: er ist sehr oberflächlich, was Gründlichkeit und Sauberkeit betrifft und macht viele Flüchtigkeitsfehler.
Aber das soziale Gefüge bei ihm entwickelt sich immer mehr zum Super-GAU. Die Schule als solches ist nicht wirklich berauschend und sicher auch nicht wirklich angebracht für ihn: allein in seiner Klasse sind mindestens noch zwei (wenn nicht drei) weitere ADHSler, es herrscht in der ganzen Schule Schülern extremste Gewaltbereitschaft unter den Schülern, viele Schüler stammen aus verheerendsten Verhältnissen, die Präsenz (und wohl auch das Interesse) der Lehrkräfte ist sehr gering, viele Dinge werden entweder gar nicht wahrgenommen oder es wird gezielt weggesehen (nach dem Motto: wenn ich nichts weiß und nichts gesehen habe, muss ich auch nichts erklären, rechtfertigen und keine dummen Fragen beantworten).
So kommt es in letzter Zeit immer häufiger vor, dass mein Sohn an guten Tagen vielleicht manchmal nur schlecht gelaunt aus der Schule kommt. Auf Nachfragen erzählt er dann meistens, dass es kleinere Reibereien gegeben hat, die ein Mitschüler angezettelt hätte und aber mein Sohn (wie immer!) rein zufällig erwischt worden wäre, wie er als das Opfer sich nur gegen den Angreifer gewehrt hätte. Das ist also generell SEINE Version. - Frage ich in der Schule bei den anderen Beteiligten nach, ist die Geschichte natürlich eine ganz andere: dann ist immer mein Kind der Anstifter gewesen, denn natürlich beschuldigt jeder immer den anderen!
Seit drei Wochen gehe ich jetzt wieder halbtags arbeiten und kriege durch diese mir fehlende Zeit für meine Kinder noch nicht einmal die Hälfte von dem mit, was ich vorher abgekriegt habe. Und natürlich spitzt sich ausgerechnet jetzt die Situation mit meinem Sohn heftigst zu: in der ersten Woche kam er an einem Tag mit einem blaugeschlagenen Auge aus der Schule (seine Version: Streit mit zwei Klassenkameraden, der eine holte seinen älteren Bruder dazu, der die dritte Klasse derselben Schule besucht, der kam auch sofort mit Verstärkung und schließlich haben drei ältere Kinder mit vereinten Kräften auf mein Kind eingeschlagen und getreten; natürlich hat das mal wieder kein Lehrer mitgekriegt.
Mein Kind wird neuerdings immer schlampiger, er verliert immer mehr Stifte, Radiergummis, Hefte, ja sogar auch Kleidungsstücke und Elternbriefe wie z. B. Anmeldezettel für den Elternsprechtag oder den Zahlschein fürs Kakaogeld krieg ich inzwischen überhaupt nicht mehr von ihm (angeblich hat er in der Schule keine Zettel bekommen...).
Heute kam dann die Sprengladung von allen: zu Schuljahresbeginn bin ich zur Klassenpflegschaftsvorsitzenden gewählt worden und muss mich darum von Zeit zu Zeit auch um einige organisatorische Dinge in der Schule kümmern. Bevor ich wieder angefangen habe zu arbeiten, hab ich auch noch morgens und mittags in der Schule regelmäßig Kontakt zu den anderen Eltern und zu einigen Lehrern gehabt, das ist nun natürlich, bedingt dadurch dass ich die Zeit nicht mehr hab, weniger geworden. Nur freitags kann ich jetzt noch mal mit in die Schule gehen, um irgendwelche Angelegenheiten zu regeln. Und prompt wurde ich heute von der Mutter eines Klassenkameraden meines Sohnes angesprochen. Sie hatte in der vergangenen Woche etwas ganz Furchtbares beobachtet. Mein Sohn hätte sich mit zwei anderen Jungen zusammengerottet und vor dem Klassenraum einen weiteren Mitschüler auf übelste Art in den Schwitzkasten genommen: in die Ecke getrieben und mit richtig viel Kraft mit der Hand am Hals des anderen Kindes dieses an die Wand gedrückt, so dass das Kind keine Luft mehr bekam.
Mein Kind wäre ja wohl der Schrecken der Klasse, alle hätten Angst vor ihm - aber nach außen schauspielerte er immer das kleine arme schwache Opfer.
Ich bin schockiert über soviel Grausamkeit und weiß im Mom. einfach noch gar nicht, wie ich auf diese Geschichte jetzt reagieren soll. - Die Mutter hätte auch mit einer Lehrerin über ihre Beobachtung gesprochen - ich frag mich: warum ruft man mich von der Schule nicht mal an und berichtet mir mal von solchen Dingen?
Am nächsten Montag haben wir Elternsprechtag. Ich hoffe, dass es möglich ist, auch diese Dinge klar anzusprechen.   
Eine Therapie aufgrund der ADHS-Diagnose haben wir noch nicht beginnen können, weil wir das Gefühl haben, die Ärzte möchten uns ganz rigoros als einfachste Lösung in eine Medikamententherapie drängen und sind für Verhaltenstherapien nicht so wirklich zugänglich. - Ich kann und will mein Kind aber nicht um jeden Preis mit irgendwelchen Medikamenten vollstopfen lassen - jeder aus meinem Umfeld, der bisher schon mit solchen Medikamenten zu tun hatte, rät mir dringendst davon ab!
Ich will doch nichts weiter, als meinem Kind helfen! Es geht nicht um mich, es geht um mein Kind und nur darum!
Wie geht Ihr denn alle mit Euren AD(H)S-Kids um, was macht Ihr für Erfahrungen mit ihnen und ihrem/Eurem Umfeld, sind Medikamente die Lösung oder sind sie Teufelszeug, zeigen Verhaltenstherapien Wirkung, gute Wirkung oder überhaupt keine??? - Fragen über Fragen....
Danke bis hierher fürs Lesen, für Eure Geduld und für etwaige Antworten.
Verzweifelte Grüße von
runaway
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1. Antwort auf: H I L F E !!!! |
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 Nicky

PostRank 6

Mitglied seit 30.01.2007 Beiträge: 241
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Verfasst am 18.05.2009, 11:00:18 Uhr

Hallo runaway
Ob ich dir einen Rat geben kann, weiß ich nicht, aber ich möchte dir meine Erafhrungen gern mitteilen.
Ich selbst auch diagnostiziert, hab drei Kids mit ADS bzw. ADHS.
Mein ADHS´ler ist 8, wurde mit 4 Jahren diagnostiziert. Bis zur Schule war es nur die Hölle, würgen, treten, aggressiv etc.
Wir haben frühförderung, ergo, Psychomotorik und alles möglich probiert. Haben dann mit Medis angefangen, alles ohne Erfolg. In der 1. Klasse ging es weiter, die Eltern beschwerten sich, weil ihre Kinder Angst hatten vor Junior.
Nach langem hin und her, war er dann für 7 Wochen zur Kur, dort bekam er angepasste Therapie und wurde auf Medis richtig eingestellt.
Seither lief es prima, er kann seine Leistungen zeigen, schreibt meist gute Noten.
Nachmittags ist er in einer Tagesgruppe und bis auf ein paar Ausnahmen, läuft es auch da prima.
Zu Hause sieht dies anders aus, morgens um 6 geht der Kampf los und abends weiter, da ist er nicht mehr unter medis.
Wir haben nun noch übers Jugendamt eine Familienhelferin bekommen, die hat Pläne gemacht, nimmt sich Zeit für Junior, da er grad wieder ne schlimme Phase hat.
Ansonsten suche ich grad ne neue kinderpsychologin, weil ich mit unserer nicht zufrieden bin. Therapie macht er im Moment nicht, aber ab September ein Konzentrationstraining.
Im Grunde muss ich leider sagen, helfen die Medis meinem Sohn, ohne wäre er schon längst von der Schule geflogen.
LG Nicky



Nicky
Glaube nur an Wunder die du selbst vollbringst... (Erhard H. Bellermann)

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2. Antwort auf: H I L F E !!!! |
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runaway

PostRank 1

Mitglied seit 27.03.2009 Beiträge: 3
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Verfasst am 29.05.2009, 10:03:51 Uhr

Danke, Nicky, für Deine Antwort! - Wie man liest, geht\'s bei Euch ja auch nicht wirklich einfach zu... Man braucht verdammt viel Kraft und Energie.
Habe kürzlich im I-Net einen Bericht gelesen über Medikamente wie z. B. Ritalin, Concerta, Strattera usw. Klang furchtbar!!! Alle diese Medikamte fallen unter das Betäubungsmittelgesetz und dienen überwiegend nur dazu, die Kinder ruhig zu stellen, damit sie für die Erwachsenen weniger anstrengend sind. (Ich muss dazu sagen, dass das kein \"reißerischer\" oder \"ketzerischer\" Bericht war, sondern ein Bericht einer seriösen Fernsehsendung der öffentlich-rechtlichen Sender.) Des weiteren hieß es dort, dass Ärzte zumeist vorschnell zu Medikamenten griffen, da eine solche Therapie um ein 20faches billiger sei als eine Verhaltenstherapie... - Geht es denn wirklich immer nur ums Geld????!!
Es gibt sicher viele verschiedene Meinungen und logischerweise auch sehr viele verschiedene Erfahrungen im Umgang mit diesen Medikamenten bei Kindern - mich jedoch hat dieser Bericht einmal mehr in meiner Meinung und meinem Bauchgefühl bestärkt!
Im Übrigen habe ich zu meiner oben geschriebenen Geschichte über meinen Sohn - die mit dem Würgen eines Klassenkameraden - im Nachhinein noch eine ganz andere Version von zwei weiteren Personen gehört: eine Mutter beispielsweise sagte mir kurze Zeit später: \"Neulich hat sich Frau xy ja so dolle über deinen Sohn aufgeregt, weil er einen anderen Jungen hier so dermaßen traktiert hätte. Ich weiß gar nicht, was die wollte, dein Kleiner hat gar nix gemacht, der hat wohl dabei gestanden - aber gemacht hat der überhaupt nichts!\"
Im Moment ist es so, dass aus der Schule nicht mehr als die üblichen kleineren oder größeren Zwischenfälle vermeldet werden, dafür tobt sich das Kerlchen jetzt zu Hause mal wieder so richtig aus - ganz viel Wucht seiner \"Anfälle\" kriegt derzeit oft der kleine Bruder ab, sobald der nur einmal ein falsches Spielzeug in die Händchen nimmt... - Es sind sooooo viele Dinge momentan und ich hoffe z. Z. nur, dass unserem Sohn demnächst der einmal wöchentliche Aufenthalt in einer Kindergruppe in dem Krankenhaus, in welchem die Diagnose ADHS gestellt wurde, und uns ein begleitendes Elterntraining ein kleines bisschen voranbringt. So um die Sommerferien herum solls losgehen; aber wieviel Hoffnung darf man da wohl haben?
Verhaltenstherapien u.ä. scheinen einen langen Kampf vor sich herzuziehen.
Liebe Nicky, noch mal ein ganz herzliches Dankeschön für Deine Antwort und ich wünsche Dir auch ganz viel Kraft für den Alltag mit drei betroffenen Kiddies (ich bewundere Dich dafür, was Du für Nerven haben musst!)
Einen ganz lieben Gruß von
runaway
*Dir mal einen Sonnenstrahl rüberschick*
Verflixt, jetzt ist hier fast der ganze Text unterstrichen - so sollte das nicht sein -; krieg das auch grad nicht wieder weg! Sorry for trouble!!!


editiert am: 29.05.2009, 10:05:49 Uhr von: runaway
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