
Nicky

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Verfasst am 15.01.2008, 17:14:34 Uhr

Das Tourette Syndrom, auch TS genannt, ist eine neuropsychiatrische Erkrankung, welche durch Tics charakterisiert ist. Bei den Tics handelt es sich um unwillkürliche, rasche, meistens plötzlich einschießende und mitunter sehr heftige Bewegungen, die immer wieder in gleicher Weise einzeln oder serienartig auftreten können.
Die Symptome beinhalten:
1. sowohl multiple motorische (Muskelzuckungen) als auch einen oder mehrere vokale
Tics. Diese stellen sich im Verlaufe der Erkrankung ein, obwohl sie nicht
notwendigerweise gleichzeitig vorkommen müssen.
2. das Auftreten von Tics mehrfach am Tag, fast jeden Tag oder immer wieder über einen Zeitraum von mehr als einem Jahr.
3. periodische Wechsel hinsichtlich Anzahl, Häufigkeit, Art und Lokalisation der Tics wie
auch hinsichtlich des Zu- und Abnehmens ihrer Ausprägung. Die Symptome können
manchmal für Wochen oder Monate verschwinden, aber auch unvermutet wieder und stärker auftreten.
4. Die Erkrankung beginnt meistens im siebten oder achten, meist immer aber vor dem 18. Lebensjahr.
Die meisten Tourette Betroffenen haben eine gewisse Eigenkontrolle über ihre Symptome. Menschen mit einem TS suchen oft eine geschützte Umgebung (z.B. Familie), um ihren Tics freien Lauf zu lassen, nachdem sie versucht haben, sie bei der Arbeit oder in der Schule zu unterdrücken. Typischerweise nehmen Tics bei ärgerlicher oder freudiger Erregung, innerer Anspannung oder Stress zu. In einem entspanntem Zustand oder bei Konzentration auf eine interessante Aufgabe lassen sie meist nach. Kinder zeigen oftmals in der Schule weniger Tics als zu Hause, hauptsächlich am Abend, wenn die spontane
Eigenkontrolle nachlässt, können die Tics vermehrt zum Vorschein kommen.
Wie werden Tics klassifiziert?
Zusammenfassend kann man von vier Kategorien der Tics sprechen, von denen einige Beispiele sind:
Einfache Tics:
motorisch - Augenblinzeln, Kopfrucken, Schulterrucken, Grimassieren
vokal - räuspern, fiepen, quieken, grunzen, schnüffeln, Zunge schnalzen
Komplexe Tics:
motorisch - springen, Berührung anderer Leute oder Dinge, riechen, Körperverdrehungen, manchmal selbst verletzendes Verhalten
vokal - herausschleudern von Worten und kurzen Sätzen, die nicht im logischen Zusammenhang mit dem Gesprächsthema stehen, Koprolalie, Echolalie, Palilalie, Kopropraxie
Die Bandbreite der Tics oder Tic-ähnlicher Symptome, die bei einem TS festgestellt werden können, ist sehr weit gefächert, die Komplexität mancher Symptome ruft oft bei Familienmitgliedern, Freunden, Lehrern oder Mitarbeitern großes Erstaunen, Verwunderung und Ärger hervor. Viele Nicht-Betroffene können sich nicht vorstellen, dass diese Verhaltensweisen und Lautäußerungen tatsächlich unwillkürlich seien. Manche Personen fühlen sich durch die Tics provoziert, insbesondere wenn es sich um Koprolalie/Kopropraxie handelt.
Häufig bemerken Kinder ihre Tics anfangs selber gar nicht. Es sind meistens Mütter, die aufmerksam werden, sich gestört fühlen, sich Sorgen um das Kind machen und überlegen, ob sie Erziehungsfehler gemacht haben. Etwa ab dem 10. Lebensjahr werden vielfach gewisse Vorgefühle, z.B. Kribbeln im Bauch, Spannungsgefühl im Nacken-Schulterbereich, unmittelbar vor einem Tic wahrgenommen. Ansonsten nehmen die Betroffenen ihre Tics erst wahr, wenn sie schon in der Ausführung begriffen ist.
Nur selten kommt es als Folge der Tics zu körperlichen Beschwerden wie Nackenschmerzen.
Bei Tics mit selbst verletzendem kann es allerdings zu größeren Verletzungen kommen.
Während des Schlafs nehmen die Tics deutlich ab. Dennoch kann man auch im Schlaf Tics beobachten, ohne dass sich der Betroffene am nächsten Morgen daran erinnert.
Zusätzliche Probleme beim Tourette Syndrom wie z.B.:
Zwänge
Dabei hat die betroffene Person z.B. das Gefühl, dass manches immer und immer wieder getan werden muss, bis es genau richtig ist, dies kann auch für eine Tic-Bewegung gelten. Es kann Berühren von Dingen beinhalten, es kann auch sein, dass die betroffene Person wiederholt prüfen muss, ob der Herd ausgeschaltet ist, oder ob die Tür richtig geschlossen ist, etc. Kinder bitten manchmal ihre Eltern, einen Satz mehrfach zu wiederholen, bis er richtig klingt.
ADS(ADHS
Hyperaktivität mit oder ohne Störung der Aufmerksamkeit findet sich bei vielen Personen mit TS. Bei Kindern können Zeichen der Hyperaktivität gesehen werden, bevor TS-Symptome auftreten. Indikatoren für ein Hyperkinetisches Syndrom beinhalten: Allgemeine motorische
Unruhe, Schwierigkeiten mit der Konzentration; Probleme, angefangene Dinge zu Ende zu bringen; nicht zuhören zu können; leicht ablenkbar zu sein; oft handeln, bevor nachgedacht wurde; stetiger und rascher Wechsel von einer Aktivität zur anderen, noch bevor sie beendet ist; Rededrang. Die Kinder benötigen viel Aufsicht und Steuerungshilfen von außen.
Lernschwierigkeiten
wie Rechenschwäche, Lese- Rechtschreib- Schwäche sowie Probleme der differenzierten Wahrnehmung, meist verbunden mit einem ADS.
Depressionen
sind oft ebenfalls bei Personen mit einem TS zu finden. Dies beinhaltet Traurigkeit, Niedergeschlagenheit, Lustlosigkeit, Rückzugsverhalten, Einschlafschwierigkeiten, häufiges nächtliches Erwachen oder auch Schlafwandeln bzw. Sprechen im Schlaf.
Was sind die ersten Symptome?
Am häufigsten findet sich zuerst ein Gesichts - Tic wie z.B. Augenblinzeln, plötzliches rasches Augen zusammenkneifen, Verziehungen des Mundwinkels oder plötzliches Mundöffnen. Es können aber auch unwillkürliche Lautäußerungen wie Räuspern und Nase rümpfen oder Muskelzuckungen im Extremitätenbereich (z.B. plötzliches symmetrisches Armbeugen) als erste Zeichen gesehen werden. Manchmal beginnt die Störung abrupt mit mehreren Symptomen, d.h. Muskelzuckungen und Lautäußerungen treten nahezu gleichzeitig auf.
Was unterscheidet den Tic von einer Marotte?
Den Tic kann man zwar über einen gewissen Zeitraum unterdrücken, man kann ihn sich jedoch nicht abstellen. Über das Verschwinden und Wieder auftreten eines Tics hat der Betroffene keine Kontrolle. Eine Marotte kann man sich - mit einiger Willensstärke - abgewöhnen, so dass die unerwünschte Verhaltensweise nicht mehr auftritt.
Wie wird ein Tourette Syndrom diagnostiziert?
Die Diagnose wird gestellt, wenn die entsprechenden Symptome beobachtet werden und der bisherige Verlauf der Erkrankung für ein TS spricht. Es gibt keinerlei Blutanalyse oder irgendeine andere Art neurologischer oder psychologischer Untersuchungsverfahren, die die Diagnose eines TS erlauben. Fragebogen und Schätzskalen sind
verfügbar, um Art und Weise sowie Schweregrad der Tic-Störung besser beurteilen zu können.
Wie sieht der Krankheitsverlauf aus?
Die Tics treten in aller Regel um das 7. Lebensjahr erstmals auf, nehmen dann einen wechselnden Verlauf, verstärken sich während der Pubertätszeit, um zwischen dem 16. - 26. Lebensjahr meistens wieder nachzulassen. Bei einigen Betroffenen verschwinden die Tics vollständig, wenige Personen müssen versuchen, ein Leben lang mit den Tics zurechtzukommen.
Alternative Behandlungsmöglichkeiten
Entspannungsverfahren, Biofeedback-Techniken und andere verhaltenstherapeutische Vorgehensweisen können zum einen Stressreaktionen vermindern helfen, zum anderen können sie auch die Selbstkontrolle der Tic-Symptomatik verbessern. So kann gelernt werden, dass man einen unangenehmen Tic eher durch eine Bewegung ersetzt. Auch können sonstige psychotherapeutische Maßnahmen in Frage kommen, um einen Betroffenen und seine Familie zu unterstützen, damit der innere und äußere Umgang mit dem Tic besser gelingt.



Nicky
Glaube nur an Wunder die du selbst vollbringst... (Erhard H. Bellermann)

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